Pressemitteilung

Wie bauen wir Europas Tech-Champions auf?

2018
Pressemitteilung
Deutschland

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Wie bauen wir Europas Tech-Champions auf?

 

Von Octave Klaba, Gründer, Chairman und CEO von OVH

Seit 18 Jahren wird OVH jedes Jahr erneut auf die Probe gestellt. Herausforderung Nummer eins: unser Wachstum über die nächsten zwölf Monate zu gestalten. Es ist unsere Aufgabe, disruptiv zu sein. Wir revolutionieren die Cloud – für Infrastructure und Platform as a Service – damit unsere Kunden sich die Digitalisierung zunutze machen können. Steigende Volumen verschiedener Datenarten treiben die fortwährende Innovation unserer Produkte und Lösungen voran. Unsere Kunden sollen ihre Daten so schnell und kosteneffizient wie möglich nutzen können, ohne Datenverluste befürchten zu müssen. Vertrauen und Innovation sind die Grundsteine unserer Arbeit.

Alle unsere Angebote, jedes Produkt und jede Lösung sollen 100 % digital sein. Lieferungen sollen vollkommen automatisiert erfolgen. Alles soll von der Software übernommen werden. Niemand von uns soll eingreifen müssen. Bei OVH erledigt der Code die Arbeit: Tausende Codezeilen, die Woche für Woche entwickelt werden, damit Ihre Infrastrukturen und Plattformen weiterhin reibungslos funktionieren. Kunden nutzen unsere Produkte über APIs, ohne dass jemand manuell eingreifen muss. Alles wird in unseren Rechenzentren eingerichtet und bereitgestellt. Nach wenigen Einstellungen über die API kann der Kunde unsere Produkte in Sekundenschnelle nutzen.

Unsere Teams entwickeln stetig neue Funktionen und neue Produkte. Sie sind da, um sich um mögliche Probleme zu kümmern. Sie sind da, um Kunden bei der Auswahl und Bedienung des richtigen Produkts zu helfen oder einen passenden Partner zu finden, damit unsere Dienstleistungen optimal genutzt werden. Für unsere Kunden sind viele Elemente, die in unser Leistungsversprechen fließen, nicht einmal sichtbar. Elemente, die für den Erhalt unseres Wachstums entscheidend sind.

Auch dass wir unsere eigenen Rechenzentren errichtet haben, ist ein weiteres Beispiel. So be betreiben wir heute 28 Rechenzentren in zwölf Ländern. An unseren Fertigungslinien in Europa und Nordamerika bauen wir 70.000 Server pro Jahr. Wir betreiben unser eigenes globales Glasfasernetz, das alle unsere Rechenzentren verbindet. Unsere Arbeit verlangt beachtliche Summen. Wir investieren täglich mehr als eine Million Euro in unsere Infrastrukturen. Jeden Monat verbringen wir Zehntausende Arbeitsstunden mit der Arbeit an dem Code, der diese Infrastrukturen steuert. Kunden profitieren von Pay-as-you-go-Angeboten, die von einer Stunde bis zu drei Jahren reichen.

Jedes Jahr setze ich mich mit meinen Teams zusammen und stelle die gleichen Fragen. Wie sollen wir unser Betriebsmodell und unsere Managementsysteme weiterentwickeln, um das schnelle Wachstum des Unternehmens zu tragen? Wie bleiben wir dabei aber unserer DNA treu, die den Erfolg von OVH herbeiführte? Wie schaffen wir das von Europa aus und bewahren uns unsere Kultur und europäischen Werte? Wie rekrutieren wir die größten Talente auf dem Markt und überzeugen sie von der Herausforderung, sich bei OVH einzubringen und unsere DNA mit ihrer Erfahrung zu bereichern? Denn eins ist sicher: Wir sind nicht wie andere Unternehmen. Wie bewahren wir uns unsere unverwechselbare Kultur und wachsen jeden Tag durch das Feedback von Kunden und Mitarbeitern? Wie erhalten wir uns unsere Fähigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen und sie ebenso rasch umzusetzen? Unsere Beweglichkeit ermöglicht es uns, Kunden Produkte anzubieten, bevor sie selbst wissen, dass sie sie brauchen. Wie werden wir zu einem Tech-Riesen, der stark genug ist, sich gegen unsere amerikanischen und chinesischen Wettbewerber zu behaupten?

Ich hatte die Gelegenheit, mit zahlreichen einflussreichen Menschen in ganz Europa zu sprechen und habe erkannt, dass es noch kein europäisches Modell zum Aufbau von Tech-Riesen gibt. Es gibt das Silicon-Valley-Modell. Gemessen anhand der Anzahl an Riesen, die es hervorbrachte, scheint es sehr gut zu funktionieren. Das chinesische Modell zeichnet sich langsam ab. Aber das europäische Modell? Das haben wir noch nicht gesehen.

OVH ist ein französisches Unternehmen, das 1999 ohne Kapitalbasis in der hierfür eher unwahrscheinlichen, nördlichen Stadt Roubaix gegründet wurde. Heute sind Weltkonzerne wie Amazon, Microsoft, Google, IBM, Alibaba, Tencent die größten Wettbewerber von OVH. In den Bereichen IaaS und PaaS ist OVH derzeit das einzige europäische Unternehmen, das gegen diese Riesen auf der Weltbühne antreten kann. Ja, wir sind kleiner. Aber wir kämpfen nicht allein. Früher oder später wird jedes Unternehmen der Welt mit ihnen konkurrieren, wenn sie das nicht bereits tun. Es ist lediglich eine Frage der Zeit. Und so wird sich jeder Einzelne eines Tages die Fragen stellen müssen, die ich mir selbst jeden Tag stelle. Noch haben wir keine Antworten auf diese Fragen, aber früher oder später wird jeder nach dem berühmten Geheimrezept suchen.

Ich denke, das Rezept zum Aufbau eines Riesen in der Welt der Technologie ist unabhängig von der individuellen Branche. Europa hat schon jetzt einige „Einhörner“: private Start-ups mit einem geschätzten Wert von mehr als einer Milliarde Euro. OVH ist eins davon. Das ist ziemlich cool. Aber um ein Tech-Riese zu werden, braucht man meiner Ansicht nach die Bestätigung der Börse. Den Beweis dafür, dass ein europäisches Modell zum Aufbau eines Tech-Riesen existiert, wird es erst geben, wenn eine europäische Börse diesen Schätzwert bestätigt. Wenn wir unsere Ideen weiter auf der Welt verbreiten wollen, brauchen wir solche Unternehmen in Europa. Wie kann Europa ohne Champions in der digitalen Welt verlangen, in der digitalen Revolution ernst genommen zu werden? Europa muss konkrete Beispiele vorweisen, um eine glaubhafte Alternative zu den amerikanischen und chinesischen Systemen anbieten zu können.

Ich weiß nicht, ob uns der Wachstumspfad von OVH eines Tages an die Börse führen wird. Wenn dem so ist, weiß ich nicht, ob es eine amerikanische oder europäische Börse sein wird, oder ob eine europäische Bestätigung überhaupt ausreichen wird. Ich weiß nicht, ob meine persönliche Geschichte andere Unternehmer inspirieren kann – Menschen mit bahnbrechenden Ideen oder einfach Menschen, die in meinen Worten die Lösungen für ihre alltäglichen Probleme finden. Auch weiß ich nicht, ob die Geschichte von OVH Politiker dazu inspirieren kann, vorteilhaftere Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmer in ganz Europa dazu ermutigen und dabei unterstützen, erfolgreiche Riesen zu werden. Auf all diese Fragen habe ich keine Antwort. Eins aber weiß ich. Wenn wir es nicht versuchen, werden wir keinen Erfolg haben. Als Unternehmer habe ich in meinem Leben viele Fehler gemacht und zahlreiche Fehlschläge überlebt. Ich habe auch erlebt, was es bedeutet, Erfolg zu haben. Während ich OVH in die Zukunft führe, möchte ich darüber hinaus denen helfen, die Neues in Europa bewirken wollen. Wir werden miteinander reden, es versuchen, hart arbeiten und unser Ökosystem nutzen. Und mit ein wenig Glück wird es uns gemeinsam gelingen, das europäische Modell zum Aufbau von Tech-Riesen zu prägen. Europa muss aufleveln. Dafür brauchen wir ein starkes europäisches Ökosystem, das den vereinten Kräften amerikanischer und chinesischer Unternehmen standhalten kann.

Ich habe beschlossen, eine Reihe an Blogeinträgen zu verfassen, um meine Gedanken und Erfahrungen zu teilen. Viele spiegeln die Ereignisse und Aufregungen der letzten 18 Monate wider, eine echte Achterbahnfahrt. Von Ende 2016 bis Mitte 2018 stieg die Zahl der Angestellten bei OVH von 1300 auf 2500. Ja, das ist ein Schock für das System. Diese Blogeinträge geben mir die Gelegenheit, den neuen Vorstand von OVH vorzustellen, den ich in dieser Zeit zusammenbrachte. Außerdem würde ich gern erklären, wie ich unser Betriebsmodell und unsere dazugehörigen Managementsysteme ausgebaut habe, um unseren Wachstumspfad fortzuführen. Ich möchte, dass Sie meine Überlegungen hinter der Entscheidung verstehen, die ich gemeinsam mit meiner Aktionärsfamilie und den operativen Teams im Oktober 2016 traf: die Investmentfonds KKR und TowerBrook ins Boot zu holen. Am interessantesten und zugleich schwersten zu teilen sind die Fehlschläge. Ich hatte über die Jahre einige und habe einiges daraus gelernt. Ich bin der Ansicht, dass es ganz besonders wertvoll ist, Geschichten über Fehlschläge zu teilen. Vielleicht helfen diese Geschichten anderen, die gleichen Fallen zu vermeiden. Ich werde auch auf unsere Erfolge zurückblicken, die unsere Kunden glücklich und uns stolz machen. Aber wenn man ein Unternehmen leitet, sind die Erfolge und Fehlschläge nicht das Wichtigste. Sie passieren, während wir daran arbeiten, unsere Vision zu verwirklichen: den Traum, den wir verfolgen und mit unseren Teams und Kunden teilen. Je deutlicher unsere Vision ist, desto erfolgreicher können wir sie umsetzen. Ein Unternehmen zu leiten bedeutet auch, eine Geschichte erzählen zu können.

Ein paar Beiträge für einen Blog zu verfassen, ist schön und gut, aber nicht genug. Ich glaube, wir brauchen ein Ökosystem – ein Gerüst, das Unternehmer dabei unterstützt, innerhalb von 20 Jahren eine Umsatzsteigerung von 20 Millionen auf eine Milliarde Euro zu erzielen. Es gibt nicht viele Unternehmen in Europa, die dies in letzter Zeit in der digitalen Welt geschafft haben und dabei europäisch geblieben sind. Solchen Unternehmen will ich helfen. Es geht nicht um Investitionen, sondern darum, sich die Zeit zu nehmen, um zuzuhören und zu beraten. Auf jeder Entwicklungsstufe von OVH hätte ich liebend gern reichlich Rat bekommen. Selbst dann – und ganz besonders dann – als OVH 20 Millionen Euro im Jahr umsetzte. Jetzt übertrifft OVHs Jahresumsatz 500 Millionen Euro, und ich bin immer noch ständig auf der Suche nach Rat und Hilfe, um auf diesem hohen Niveau erfolgreich zu sein und Fehler zu vermeiden. Ich bin sicher, dass es einen europäischen Weg gibt, um von 20 Millionen auf eine Milliarde Euro zu wachsen, genauso wie einen amerikanischen Weg. Diesen zu beleuchten würde vielen europäischen Unternehmern dabei helfen, Erfolg zu haben. Man muss nur loslegen…