Mit Abwärme aus dem Rechenzentrum heizen
Bei OVHcloud beginnt Innovation oft mit der Frage: Was wäre, wenn wir es anders machen? In unserem deutschen Rechenzentrum in Limburg hat sich ein Team erfahrener Kollegen genau diese Frage gestellt und die Antwort sorgt heute dafür, dass ein ganzes Bürogebäude effizient geheizt wird.
Abwärme sinnvoll nutzen
Rechenzentren verbrauchen viel Energie für den Betrieb. Und wie wir wissen, verschwindet Energie nicht einfach – sie wandelt sich um. In diesem Fall benötigen die Server am Standort Limburg an der Lahn Strom, der im regulären Rechenzentrums-Betrieb zu Wärme umgewandelt wird. Statt die Abwärme ungenutzt zu lassen, hat unser lokales Team eine Möglichkeit gefunden, sie weiterzuverwenden. Mit einem Wärmetauscher und einer maßgeschneiderten Wasser-zu-Wasser-Wärmepumpe wird die Abwärme der Server erfolgreich umgeleitet und beheizt das angrenzende Bürogebäude vollständig. Insgesamt werden so rund 475 Quadratmeter Bürofläche energieeffizient geheizt.
Von der alten Druckerei zum modernen Rechenzentrum
Das Rechenzentrum Limburg beherbergte früher eine Druckerei. Die damaligen Besitzer heizten die gesamte Industriehalle mit einer enorm großen Gasheizung. Als OVHcloud das Gebäude 2017 in ein Rechenzentrum umwandelte, war diese große Heizlösung plötzlich überdimensioniert – schließlich produzieren Server bereits selbst eine Menge Wärme. Es war klar, dass die in die Jahre gekommene Gasheizung früher oder später ersetzt werden musste. Statt sie einfach durch eine neue Gaslösung zu ersetzen, die ohnehin aufwändig an das Industriegebäude hätte angepasst werden müssen, erkannten unsere Techniker Potenzial in der vorhandenen Abwärme.
Effizientes Wärmerecycling in der Industrie
Kommen wir zu den Details: Unser Rechenzentrum nutzt eine effiziente Wasserkühlung, um die Abwärme der Server direkt von der CPU und GPU abzuführen. Das Kühlwasser verlässt das System mit etwa 35°C bis 45°C, abhängig von der Jahreszeit – also quasi Badewannentemperatur. Anstatt dieses warme Wasser ungenutzt nach außen zu leiten, installierte unser Team einen Wärmetauscher, der die thermische Energie aufnimmt und weitergeben kann.

Bild: Wärmetauscher, der mit dem Wasserkühlungssystem des Rechenzentrums verbunden ist. Er funktioniert wie eine Schnittstelle zwischen Kühlung und Heizung.
Anschließend bringt eine Wasser-zu-Wasser-Wärmepumpe die Temperatur auf rund 55 °C – mehr als ausreichend, um die angrenzenden Räume zu beheizen. Ein weiterer Vorteil: Die Wärmepumpe muss nicht mit kaltem Wasser arbeiten, sondern kann bereits 35 °C warmes Wasser nutzen – das steigert die Effizienz erheblich im Vergleich zu herkömmlichen Heizsystemen. Das Ergebnis: eine saubere, kostengünstige und emissionsarme Wärmeversorgung.

Bild: Jahrzehntelang stand eine große Gasheizung im Keller des Rechenzentrums, die wir durch eine moderne Wasser-zu-Wasser-Wärmepumpe (links) und einen Warmwasserspeicher (rechts) ersetzt haben.
Dort, wo früher die Gasheizung einen ganzen Raum beanspruchte und große Mengen an Gas verbrauchte, steht jetzt eine kompakte und nachhaltige Lösung.
Drei Fliegen mit einer Klappe schlagen
Dieses Projekt erfüllt gleich mehrere Ziele:
- Energieeffizienz: Die vorhandene Energie im Rechenzentrum wird intelligent weiterverwendet. Denn Energie verschwindet nicht einfach, sie wandelt sich – nutzen wir das!
- Kosteneinsparung: Die Wärmepumpe benötigt weniger Energie als die vorherige Gasheizung – besonders bei den heutigen Gaspreisen ein großer Vorteil.
- Nachhaltigkeit: Das System passt perfekt in unseren Kreislaufansatz und reduziert sowohl Wärmeverluste als auch lokale CO₂-Emissionen.
Kurz gesagt: Ein hervorragendes Beispiel für eine clevere, standortbezogene Initiative im Rahmen der OVHcloud-Nachhaltigkeitsziele. Die Techniker im Rechenzentrum haben das Potenzial gesehen, die bestehende Wärme zu nutzen. Michael Bonneschky, Datacenter Infrastructure Techniker am Standort Limburg, war maßgeblich an Planung und Umsetzung des neuen Heizsystems beteiligt:
„Wir wussten, dass das Potenzial da ist – wir mussten nur herausfinden, wie wir es nutzen können. Als wir uns die Temperatur des Kühlwassers angeschaut haben, war schnell klar: Wir können die Wärme weiterverwenden, anstatt sie loszuwerden. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Energie, die unsere Server antreibt, jetzt auch unsere Kolleginnen und Kollegen im Büro wärmt“, sagt Michael Bonneschky, Datacenter Infrastructure Technician bei OVHcloud.
Seine Aussage bringt das Projekt auf den Punkt: praxisnah, innovativ und tief im technischen Verständnis unseres Standorts verankert. Während dieses Projekt als lokale Optimierung begann, hat es das Potenzial zur Nachahmung: Andere Rechenzentren mit ähnlicher Infrastruktur und Gebäudehistorie könnten das Modell aus Limburg an ihre Bedürfnisse anpassen. Ein kleiner Schritt, der im großen Ganzen einen Unterschied machen kann.
Mehr als Technik: Innovationsgeist bei OVHcloud
Diese Lösung kam nicht von oben, sondern aus der Praxis: von den Menschen vor Ort – Techniker und Ingenieure, die ihre Anlage ganz genau kennen, eine bessere Lösung erkannten und sie umgesetzt haben. Es ist genau diese Haltung aus Eigenverantwortung und Innovationsgeist, die OVHcloud ausmacht. Das Heizprojekt in Limburg mag auf dem Papier wie ein technisches Upgrade wirken – in Wirklichkeit steht es aber für viel mehr. Es zeigt, wie wir durch kluge Technik die Effizienz steigern und erinnert uns daran, dass jedes Rechenzentrum voller ungenutzter Möglichkeiten steckt.